Europäischer Tag der Stimme in Basel

 

 

Basler Zeitung,  Mittwoch 29. März 2006,  Seite 20 pdf-Version

«3 Millionen Schwingungen täglich»
Basel.
Der Europäische Tag der Stimme zeigt die vielen Möglichkeiten des Organs

 

Renate Schwank und Dorothea Sidow im StimmKlangRaum

Stimmtraining. Renate Schwank (rechts) und Dorothea Sidow (links) wissen Mittel und Wege, die Stimmbänder zum Schwingen zu bringen. Foto Tino Briner

PASCALE PFEUTI

Ob chronische Heiserkeit oder Verkrampfungen im Kieferbereich – mit den geeigneten Übungen können Stimmprobleme behoben werden. Eine professionelle Stimmtrainerin erzählt, wie.

«MMM, UUU, OOOOO», dabei die Ohren massieren und immer schön locker bleiben. Dann mit einem «pffffffrrr» die Lippen locker im Luftstrom flattern lassen. – Dies sind nur zwei von unzähligen Übungen, die unsere Stimme bilden, den Kiefer lockern und gleichzeitig unsere Konzentration fördern. Doch das Stimmtraining findet nicht nur im und ums Gesicht statt. Es ist eine ganzkörperliche Angelegenheit, die viel Bewusstsein und Aufmerksamkeit fordert.

Mehr dazu weiss Renate Schwank, selbstständige Logopädin und Stimm­trainerin in Basel. Ihre eigene Praxis an der Oetlingerstrasse in Basel ist hell, sie sitzt aufrecht auf ihrem Stuhl, die Füsse gut mit dem Boden verankert. Ihre Stimme fliesst regelmässig, immer wie­der trinkt sie einen Schluck Wasser. Man sieht: Diese Frau übt selbst aus, was sie ihren Patienten lehrt. «Es gibt ein paar Tricks, die jeder für sich im Alltag befolgen

kann. Dazu gehören regelmässiges Atmen und häufiges Trinken, minde­stens drei Liter Wasser pro Tag.» Natürlich reicht die Bewässerung alleine nicht aus. Und schon gar nicht für jemanden, der an akuten Sprechstörungen leidet.

«Zu mir in Behandlung kommen grösstenteils Leute mit Sprechberufen», so Schwank. «Lehrer, Sänger, Vertreter, Dozenten und andere, die durch das viele Reden müde werden oder sogar Schmerzen im Stimmlippenbereich ha­ben.» Auch wer «nur» ein Engegefühl im Hals empfindet oder sich dauernd räus­pern muss, hat bei einer logopädischen Therapie Hoffnung auf Besserung.

SENSIBEL. «Die menschliche Stimme ist ein sehr empfindliches Organ und sollte nicht unterschätzt werden», so Schwank. Man könne ihre Tätigkeit mit Hochleistungssport vergleichen, so schwingen die menschlichen Stimmlippen immerhin bis zu drei Millionen Mal am Tag. Dazu kommt: Die Stimme steht in engem Zusammenhang mit der momentanen Befindlichkeit eines jeden Individuums. So kann die Stimme eines Sängers mit hartnäckigem Durchfall stark geschwächt sein oder bei jemandem, der nicht bewusst mit seinem

Atem umgeht, schmerzen. In logopädischen Therapien lernt der Patient seine Stimme oft erstmals richtig kennen, er beginnt Mund, Nase, Rachen, Rücken und andere Stellen des Körpers wahrzunehmen und beim Reden bewusst einzusetzen.

Am effizientesten wäre wohl regelmässiger Stimmbildungsunterricht ei­nes jeden Kindes im Schulunterricht, findet Schwank. Was heutzutage leider oft untergeht, wussten die Leute in der Antike längst. Systematisches Stimm­training gehörte bei den Griechen und Römern zur allgemeinen Bildung. Da­mals musste, wer am öffentlichen Leben teilnehmen wollte, bei einem so ge­nannten Phonasken, einem Sprachleh­rer, den obligatorischen Sprechunter­richt nehmen.

Doch Schwank glaubt an eine Wiederbelebung dieses Bewusstseins der Stimme. Einen Teil dazu trägt sie mit dem morgigen Infoabend bei: An dem Anlass wird Schwank mit ihren Kolle­ginnen Dorothea Sidow und Sabine Stücheli nebst Kurzreferaten auch prak­tische Schnupper-Workshops anbieten. Eine Chance also für jeden, der die viel versprechenden «Jaa-ee-ii-oo-uu» gleich selber ausprobieren möchte.

Europäischer Tag der Stimme

GENIAL. Der «Europäische Tag der Stimme 2006» ist die erste länderübergreifende Kampagne zum Thema Stimme und Sprechen. Entstanden ist er im Jahr 2004 in Österreich. Was von «Stimme.at», dem eu­ropäischen Netzwerk der Stimmexperten, initiiert wurde, wächst über die öster­reichischen Grenzen hinaus: In rund 30 Städten in Österreich, Deutschland und der Schweiz finden zahlreiche Vorträge und Seminare zum Thema Stimme statt. Ziel des Anlasses ist es, die Gesellschaft auf die Vielfalt und Genialität der menschlichen Stimme auf­merksam zu machen. Der Info­abend von Renate Schwank und ihren Kolleginnen Dorothea Sidow und Sabine Stücheli findet morgen Donnerstag zwischen 17.30 und 20 Uhr im Refektorium der Elisabethen-Kirche statt.

>www.stimmbalance.ch

 

Baslerstab  Montag, 27. März 2006, Seite 9

Europäischer Tag der Stimme

Viel mehr als nur reden

Die Logopädin Renate Schwank weiss, wie wichtig die Stimme ist.
 

Ildiko Hunyadi

Die Stimme ist so etwas Selbstverständliches, dass man sich ihrer erst bewusst wird, wenn etwas nicht stimmt: Wenn das Sprechen Mühe macht, wenn es schmerzt im Hals, wenn nur noch gepresste Töne herauskommen - oder gar nichts mehr. Da kommt Renate Schwank ins Spiel. Die Logopädin, Stimmtrainerin und -therapeutin hat sich auf die Arbeit mit Erwachsenen spezialisiert. Am «Europäischen Tag der Stimme» vom 30. März möchte sie auch in Basel die Stimme ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken. Mit ihren Kolleginnen Dorothea Sidow und Sabine Stücheli lädt sie zu Schnupper-Workshops, Demonstrationen und Kurzreferaten, in denen es nur um die Stimme geht: «Wie entsteht eine klangvolle Stimme?», «Stimmstörung was nun?» oder «Wirkung von Stimme auf die Zuhörenden» sind nur einige der Themen.

Zwei Schleimhautfalten
«Die Idee für den <Tag der Stimme> stammt ursprünglich aus Brasilien», sagt Renate Schwank, «dort gibt es ihn schon seit einigen Jahren.» Vor allem Hals-Nasen-Ohren-Ärzte hätten der Öffentlichkeit ins Bewusstsein rufen wollen, wie wichtig die Stimme sei und wie man sie pflegen könne. «Immerhin haben rund zehn Prozent der Menschen in ihrem Leben

Renate  Schwank im StimmKlangRaum
«Die Stimme ist ein wunderbar vielfältiges Instrument, das man immer dabei hat»: Renate Schwank in ihrer Praxis. Foto: Elena Monti

einmal eine Stimmstörung» , so Renate Schwank.«Das ist doch eine ganze Menge.» In Europa nahmen Osterreicher und Deutsche die Stimmtag-Idee auf, und dieses Jahr findet er zum ersten Mal auch an verschiedenen Orten in derSchweiz statt. «Auch wenndie Stimme meist gut funktioniert:

Alle, die im Beruf überzeugend und anstrengungsfrei sprechen möchten, profitieren von gezieltem Stimm- und Sprechtraining»,sagtRenate Schwank.
Mehr als Physik

Rein physikalisch gesehen kommt sie wegen zwei rund zwei Zentimeter langen Schleimhaut

falten im Kehlkopf zustande, die in Schwingung geraten. An einem Tag, an dem man viel spricht, schwingen die Stimmlippen drei millionen Mal. «Diese Schleimhautfalten brauchen Lockerheit und Feuchtigkeit, um tadellos zu funktionierem», sagt Renate Schwank. Doch jenseits jeglicher Pysik: für Renate Schwank ist die Stimme auch Ausdruck der monentanen Befindlichkeit

eines Menschen, seines Innenlebens. Wenn jemand müde oder verärgert ist - die Stimme bringt es an den Tag. Denn: «Die Stimme eines jeden ist so etwas wie eine klingende Visitenkarte.»
Europäischer Tag der Stimme, Do, 30. März 2006. Workshops etc. im Refektorium der Elisabethenkirche, 17.30 bis 20 Uhr.Es können auch nur einzelne Workshops besucht werden.Eintritt frei. Weitere Infos:
www.stimmbalance.ch
www.voicework.ch

«Die menschliche Stimme ist ein sehr heikles Instrument»

 

 
Stimm-Klang-RaumRenate Schwank, Basel Tel. 061 692 86 82